15.07.2016

Rhythmus schwappt durch den Schlosspark


Symphonisches Blasorchester Hunsrück, Gesangvereinskapelle und Classic-Rock-Band Tone Factory bieten begeisterndes Klangerlebnis

"Die Rheinpfalz - Nr. 165" von Carolin Walther

Auch wenn es eine oft gebrauchte Floskel ist - in diesem Fall ist die Redewendung ohne Wenn und Aber zutreffend: Es war ein Konzert der ganz besonderen Art, das am Freitag 15.07.2016 über die proppenvolle Bühne des Rockenhausener Schlossparks gegangen ist. Zwei Orchester - das Symphonische Blasorchester Hunsrück und die Gesangvereinskapelle Rockenhausen - sowie die Classic-Rock-Band Tone Factory sind zu einem 80-köpfigen Klangkörper verschmolzen. Nun macht Masse noch keine Klasse. Doch auch davon hatten die mit sichtlicher Freude an ihrem Tun agierenden Musiker und ihre beiden Dirigenten eine Menge zu bieten. Die rund 350 Besucher dankten es ihnen mit minutenlangem Applaus.


Dass die Musiker der Hunsrücker-Nordpfälzer Spielgemeinschaft durch die Bank ihr Handwerk verstehen, zeigt schon ein Blick auf die Vorbereitung des Crossover-Konzerts, mit dem die Rockenhausener Veranstaltungsreihe SommerZeit fortgesetzt worden ist: Lediglich zwei gemeinsame Proben der Bläser und die Generalprobe zusammen mit der Band hatten auf der Agenda gestanden. Umso höher ist das Ergebnis zu bewerten, das die Musikerinnen und Musiker zu Gehör brachten. Die teils mitklatschenden, -summenden oder -wippenden Gäste genossen das außergewöhnliche Klangerlebnis jedenfalls sichtlich.


Am Dirigentenpult wechselten sich Joachim Laukemper - der mehrfach ebenso fundierte wie launige Erläuterungen zu den Stücken gab - und "Lokalmatador" Heiko Opp ab. Beide hatten das riesige Ensemble, das den Abend mit einem Medley aus Hits der Band Toto einläutete und mit dem Eagels-Klassiker "Hotel California" fortsetzte, voll im Griff. Dabei bildete die Band Tone-Factory um den stimmgewaltigen Sänger Simon Klein die ideale Ergänzung zu den Orchestern. Zwar benötigte die Tontechnik etwas Zeit, um die richtigen Einstellungen zu finden, doch dann stellte sich ein tolles Hörerlebnis ein. Sänger, Band und Bläser harmonisierten angesichts der begrenzten Proben-Zeit erstaunlich gut und zogen das Publikum sofort in ihren Bann. Einen nicht geringeren Anteil am Gelingen hatten auch die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs um Rolf Lanzer, die im Vorfeld die Bühne entsprechend vergrößert hatten - es hätten sonst längst nicht alle Mitwirkenden Platz gefunden.


In seiner Begrüßung betonte Heiko Opp, dass diese Aufführung für die Musiker schon etwas Besonderes, für manche sogar Einzigartiges sei. Das spürten auch die Besucher, manchmal übrigens sogar im wahrsten Wortsinn - kein Wunder, wenn beispielsweise sieben Tuben zum Einsatz kommen. Einige Titel spielte die Band ohne Orchesterbegleitung,wie das frenetisch gefeierte "Davy's On the Road Again". Umgekehrt präsentierten die Bläser manche Stücke allein, etwa ein starkes Phil-Collins-Medley. Mal schnell, mal langsam, mal laut, mal leise: Das bunt gemischte Programm hatte für jeden Geschmack etwas parat.
Das Publikum honorierte die Leistung der Akteure mit stetig wachsendem Applaus. Immer wieder blieben auch durch den Schlosspark flanierende Passanten gebannt stehen und lauschten. Oder sie liefen plötzlich im Takt der Musik weiter, als bei einem Medley aus Swingstücken der Rhythmus durch den Schlosspark schwappte - denn nicht nur Rock, auch Swing hat den drei Ensembles gelegen. Bei einer Sammlung von Jackson-Five-Liedern kam ein Flötensolo zu Gehör, während der Sänger Simon Klein seinen Tonumfang bei "Long Train running" von den Doobie Brothers eindrucksvoll demonstrierte. Da ging es - abweichend von den tiefen Tönen - auch mal ganz nach oben.
Trotz der großen Menge an Musikern blieben die Töne klar und präziese. Besonders schwierig war das sicherlich bei "Bohemian Rhapsodie" von Queen, der letzten offiziellen Nummer des Abends. Die Klarinetten spielten ihre Läufe mit scheinbar fliegenden Fingern, die einzelnen Stimmen warfen sich die Melodien zu, und das Orchester bäumte sich zum großen Finale auf. Es folgte tosender Applaus der Zuhörer, die sich von ihren Plätzen erhoben.


Auch die Zugabe machte Lust auf mehr: das legendäre "Music" von John Miles. Das Publikum zückte die zuvor verteilten Leuchtstäbe und schuf eine tolle Atmosphäre im mittlerweile dunklen Park. Zum krönenden Abschluss schlug Tone-Factory mit "Hallelujah" von Leonard Cohen ganz sanfte Töne an. Wie gesagt: Das war tatsächlich ein Konzert der ganz besonderen Art.