07.03.2017

Latin - Swing - Rhapsody


Latin.Swing.Rhapsody     

Nahe-Zeitung vom 07.03.2017 (Elisabeth Jost)

Bis in die hohen Ränge besetzt war das Stadttheater in Idar-Oberstein, als der Musikverein Mörschied sein Jahreskonzert unter der Leitung von Joachim Laukemper gab. Man sah aber nicht nur Mörschieder Zuhörer, auch andere Freunde der live oder wie im Slogan des Programms sogenannten spielen sympatisch dargebotenen Blasmusik traf man in der Pause.

Der Vereinsvorsitzende Michael Nilges konnte auch den Präsidenten des Kreismusikverbands, Hans Jürgen Noss, Landrat Matthias Schneider sowie die Bürgermeister der Verbands- und Ortsgemeinde begrüßen. Auf eine besondere Moderation seinerseits hatte er jedoch verzichtet und stellte stattdessen Katharina Schuch und Jonas Kother vor, zwei Schüler der zwölften Jahrgangsstufe des Heinzenwies-Gymnasiums. Sie erhielten für ihre gut vorbereitete und fachspezifische Ansage in Dialogform besonders viel Beifall aus dem Rang, denn dort saßen ihre Mitschüler aus dem Musikkurs. Die glänzende Idee zum gemeinsamen Konzertbesuch hatten sie auf Einadung eines mitwirkenden Kommilitonen mit ihrem Musiklehrer vereinbart. Sie knüpften damit an Unterrichtsthemen wie Leonhard Bernsteins "West Side Story" an, die als Programmschwerpunkt gleich im ersten Teil in einem Medley zu hören war.

Nach der beschwingt vorgetragenen Ouvertüre "Candide", ebenfalls von Bernstein, überraschte die Soloklarinettistin am ersten Pult des fast 50 Aktive zählenden Orchesters mit gefühlvoll nachempfundenen Soli zu "Benny Goodmans Memories", dem Protagonisten der Swingepoche.

Von da an änderte sich der Beifall aus dem Rang: AnerkennendePfiffe und begeisterte Rufe begleiteten die folgenden Beiträge, insbesondere des zweiten Programmteils, der lateinamerikanischer Musik gewidmet war. Diese wurde mit der viersätzigen "Second Suite for Band" von Alfred Reed, dem Altmeister der sinfonischen Blasmusik, vorbereitet. Bemerkenswert waren die Virtuosität einzelner Solisten, der Sound in den Harmoniestimmen und die vertrackten Rhythmen der fünf Perkussionisten, die mit enormem Engagement für die hervorragende Wiedergabe sorgten. An dieser war irh Dirigent Joachim Laukemper wesentlich beteiligt. Präziese Einsätze sowie eine dynamische Körpersprache gaben dem Orchester die notwendige Sicherheit und mobilisierten ihre Musizierlust.

Auch das auf irische Auswanderer zurückzuführende Musikstück von Carl Wittrock, "Lord Tullamore", wobei natürlich auch auf die bekannte Whiskeymarke reflektiert wurde, forderte wieder die vorgenannten Fähigkeiten des Orchesters heraus: virtuoses Figurenspiel und wunderschöne, getragene Melodien.

Danach allesdings gehörte die Bühne den Hits der Latin Music. Ob nun mit dem "Libertango" von Astor Piazolla, dem mit einem Pfeifkonzert belohnten Ruf "Tequilla" im "Latin Gold" - Arrangement von Paul Lavenders oder den "Mambo Greats", die kubanische Musik lebendig werden ließen - die größte Begeisterrung löste die Verbindung von Pop und Latin im "Special" von Masato Myokoin sowie der brasilianische Evergreen "Tico-Tico" aus. Wie bei einer Open-Air Veranstaltung verwandelte sich das Auditorium in eine Fangemeinde, und daran war der Musikkurs des Heinzenwies-Gymnasiums ursächlich beteiligt. "Vielseitig und facettenreich" lobten die beiden Moderatoren das Orchester und erhielten selbst uneingeschränkte Anerkennung. Bevor die Zugabe dem zweieinhalbstündigen Konzert ein vorläufiges Ende setzte, wurde noch - wie üblich - zur After-Concert-Party nach Mörschied eingeladen.