06.04.2019

Gefühlvolle Reise beeindruckt


Gefühlvolle Reise beeindruckt

Nahe-Zeitung vom 09.04.2019 (Freimut Stoll)

Es ist schon etwas ganz Besonderes, wenn man Musik so auf die Bühne bringt, dass man sie als Zuschauer mit allen Sinnen genießen kann. Diese Gabe hat der Musikverein Mörschied, der am Samstag im Stadttheater den etwa 400 Gästen ein beeindruckendes Jahreskonzert präsentierte. „Eine neue Reise beginnt ...“ lautete das Motto des Abends und war Grundlage für das Programm des unvergesslichen und sehr kurzweiligen Konzerts.

Die Moderation des Abends übernahmen zwei Musikerinnen des Orchesters, Lisa und Lena Zimmermann. Professioneller und sympathischer hätte man diesen Part nicht gestalten können. Erstmals unter der Leitung des erst 28 jährigen Dirigenten Thomas Keßler aus Mackenrodt nahmen die etwa 45 Musiker das Publikum mit auf eine Reise rund um die Welt, über Berge, Wälder und Meere. Dabei wurden immer wieder auch die kulturellen Aspekte der einzelnen Länder und Regionen in den Vordergrund gestellt. Bereits beim Eröffnungsstück wurde jedem Besucher klar: Dieser Abend wird ein ganz besonderer. „Olympic Fanfare“ von John Williams verlangte den Musikern schon gleich einiges ab. Sehr gefühlvolle Blechvariationen, unterbrochen von turbulenten Parts, die letztlich zu einem voluminösen Schluss führten, angekündigt von starken Fanfarenklängen.

Griechische Klänge folgten beim Stück „Return to Ithaka“ von Kees Vlak. Rythmus- und Tempowechsel sowie orientalisch anmutende Harmonien machten das Stück zu etwas ganz besonderem. „Rainbow Warrior“ ebenfalls von Kees Vlak beschreibt musikalisch die Erlebnisse eines Schiffs auf hoher See. Es waren turbulente Gewässer, geht es doch um das bekannte Greenpeace-Schiff.

Die Druckerpresse spüren konnte man beim folgenden Lied von Otto M. Schwarz, „Johannes Gutenberg“. Die nervösen Klarinettenklänge ließen Anfangs zweifeln, ob die Druckerpresse denn auch anspringt. Der maschinelle Rhythmus des tiefen Blechs signalisierte aber dann eindeutig: Ja, sie druckt. Eine Meisterleistung der Inszenierung, sowohl vom Orchester als auch vom Dirigenten. „Palladio“ von Karl Jenkins und „Alpina Saga“ von Thomas Doss folgten im Anschluss. Den zweiten Teil gestaltete das Orchester unter anderem mit der Solosopranistin Janine Schmitt.

Bereits beim ersten gesungenen Lied, „Gabriellas Song“, von Stefan Nilsson wurde jedem Zuschauer klar: Es wird offenbar noch besser. Eine zierliche junge Frau im Abendkleid, gesegnet mit einer geschulten Top-Stimme, begleitet vom mit viel Gefühl spielenden Orchester, geleitet von einem Dirigenten, der niemals im Geringsten die Fäden verlor und so sehr einfühlsam die musikalische Geschichte zu einem perfekten Kinoerlebnis werden ließ. Man musste nur die Augen schließen.

Das zeigten die Künstler immer wieder, so auch bei dem Titel von C. M. Schönberg „I Dreamed a Dream“. Hier flossen vielen der gerührten Zuschauer die Tränen über das Gesicht. „Ross Roy“ von Jacob de Haan entführte die Gäste zurück in die Schulzeit. „In 80 Tagen um die Welt“ oder „Around the World in 80 Days“ von Otto M. Schwarz war ein weiterer Klassiker. Angelehnt an die Geschichte von Jules Verne, gelang es den Musikern, wie angekündigt musikalisch in exakt elf Minuten die Erde einmal zu umrunden.

Dabei konnte man sich von der Perfektion und der Vielseitigkeit des Orchesters, insbesondre aber der Rhythmus-Gruppe im Hintergrund überzeugen. Zum Abschluss des Abends interpretierten die Musiker mit ihrer Sängerin das Stück „Ich gehör' nur mir“ aus dem Musical „Elizabeth“. Stehende Ovationen und laute Bravo-Rufe machten eine Zugabe unumgänglich. Der berühmte Klassiker „Music“ von John Miles erklang als Abschluss, und man spürte es immer wieder: „Music Was My First Love“. Diese Musiker lieben einfach, was sie tun.