Einsatzfreude steckte an
13.04.2018 - 13.04.2018

Musikverein bot im Stadttheater eine glänzende Leistung

Nahe-Zeitung vom 19.04.2018 (Elisabeth Jost)

Michael Nilges, Vorsitzender des Musikvereins Mörschied, fand nach dem mitreißenden Abschiedskonzert im voll besetzten Stadttheater Idar-Oberstein die richtigen Worte: Joachim Laukemper, der Dirigent der vergangenen vier Jahre geht, Thomas Kessler beginnt und führt den erfolgreichen MV. "Mit einem lachenden und einem weinenden Auge haben wir respektvoll den Wunsch unseres hoch geschätzten Dirigenten Joachim Laukemper wahrgenommen, der mit seiner Familie seinen Lebensmittelpunkt im Norden Deutschlands sucht, und wir haben gleich für einen Nachfolger gesorgt." So konnte sich Thomas Kessler im brandenden Schlussbeifall zeigen.

Der MV versteht es, sein Jahreskonzert im Stadttheater so zu gestalten und vor allem perfekt zu bewerben, dass nicht nur Mörschieder unter den Gästen vertreten sind, sondern auch viele Besucher aus der Umgebung und vor allem erstaunlich viele Jugendliche.

"In diesem Jahr werden wir wieder gesanglich", begann der Programmtext: "Mit Sonja Volz und Manuel Lothschütz haben wir hervorragende Stimmen gewinnen können", hieß es im Programmtext. Wie wahr: Außergewöhnlich waren diese beiden hochkarätigen Solisten. Mit mehr als 40 aktiven Blasmusikern ist der Musikverein Mörschied in allen Registern gut besetzt und hat auch bemerkenswerte Instrumentalsolisten in seinen Reihen, die die anspruchsvollen Erkennungsmelodien der aufgeführten Filmmusiken so spielen, dass man sich gleich erinnert. Ob beim Eröffnungsstück "James Bond 007", "Der Pate" oder "Jenseits von Afrika". Und wer die berühmten Filme nicht kannte, freute sich über Inhaltswiedergaben, die Katharina Schuch und Jonas Kother lieferten.

Zwischen diesen Musikblöcken oder auch in die Werke integriert lagen die Auftritte der Gesangssolisten. Gleich mit "Golden Eye" und "Skyfall" überraschte Sonja Volz mit einer modulationsfähigen Stimme, die nicht nur in einer imposanten Mittellage hervorragend klingt, sondern auch in den höheren Lagen große Ausdruckskraft hat wie in Walt Disneys "Die Eiskönigin". Wie entfesselt Sonja Volz aber Tina Turners Paradestück "Proud Mary" auf der Bühne rockte, das öffnete alle Ventile der Begeisterung, sodass sie es als Sonderzugabe wiederholen musste.

Ebenfalls vom ersten Lied an sympathisch und überzeugend sang Manuel Lothschütz Josh Grobans Erfolgshit "You raise me up" mit einem warmen, einschmeichelnden Bariton. Danach bot sich mit Freddy Mercurys "Don't stop me now" von Queen ein verwandelter Interpret, der sich auch an Louis Armstrongs "What a wonderful World" wagte und mit durchaus eigener Interpretation überzeugte.

Beiden Solisten gelang dann noch das Kunststück, in die fest arrangierten Musikstücke des Orchesters ihre Partien untadelig hineinzusingen, was vor allem beim letzten Werk "Das Phantom der Oper" dem Publikum ein Musikerlebnis besonderer Art bescherte.

Dirigent Joachim Laukemper meisterte mit leichter Hand die schwierigsten Einsätze. Ohne Pathos entwickelt er dynamische Prozesse und setzt rhythmische Akzente. Mit tänzerischer Anmut bewegt er sich auf dem Dirigentenpult. Wachsame Seitenblicke zu den Gesangssolisten und gleichzeitig das Orchester nicht aus den Augen verlierend. Ein Dirigent, dem man gern zusieht und von dem man spürt, wie begeistert er selbst von der Musik ist, die er für sein Abschiedskonzert ausgewählt hat. 

Außer den bereits erwähnten Filmmusiken gehörte das letzte Stück vor der großen Pause zu den besten des Abends. Mit "Gershwin in Konzert" demonstrierte Laukemper die Vielseitigkeit der musikalischen Stile Anfang des 20. Jahrhunderts. Symphonischer Jazz vom Feinsten mit klassisch komplizierten Übergängen und dem Herausarbeiten bekannter Melodien aus "Porgy and Bess": ein Meisterwerk.

Welche Persönlichkeit dieser Dirigent für das Orchester war, konnte jeder spüren. Dabei war ein Miteinander und eine Einsatzfreude zu erleben, die ansteckend wirkte. Kein Wunder, dass der Beifall zwischendurch und erst recht am Schluss einem gelungenen Programm von hoher Qualität galt, das in Erinnerung bleibt.